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28.04.2015

Bruno Hirtz liebt die Eifel – nicht nur wegen der guten Küche.

Interview Herr Hirtz – o7 Mittagspause – Orange 7, Ausgabe April 2015

Das Lo-Stivale besucht Bruno Hirtz regelmäßig. Als Geschäftsführer bei Bilstein & Siekermann lädt er gerne seine Kunden in das Hillesheimer Ristorante ein. Zur o7-Mittagspause ließ er sich einen Insalate di Rucola e Tacchino mit Rucola, Cherrytomaten, Avocado und gebratenen Putenbruststreifen schmecken.

„Jeder Bäcker war bekannter als wir “

Hallo Herr Hirtz. Für einen Saarländer halten Sie es schon ganz schön lange in der Eifel aus. (lacht)
Das stimmt. Ich bin jetzt schon seit 2006 Geschäftsführer bei Bilstein & Siekermann. Meine Familie und ich, wir fühlen uns hier beruflich und privat sehr wohl.

Sie sind beinahe so etwas, wie ein Werbebotschafter für die Eifel. Wenn man auf die Homepage Ihres Unternehmens geht, fällt einem als erstes ein Imagefilm auf, der mehr Werbung für die Eifel macht, als für Bilstein & Siekermann.
Wir beliefern zwar Kunden in der ganzen Welt, aber unser Firmensitz ist seit 1956 in Hillesheim. Das hat viele Vorteile, stellt uns aber auch vor Herausforderungen. Wir brauchen für die Weiterentwicklung des Unternehmens hochqualifizierte Mitarbeiter. Häufig ist die Eifel leider ein Argument, dass junge Menschen eher Anstellungen in der Nähe von Großstädten annehmen.

Gibt es denn nicht genug qualifizierte Bewerber, die schon in der Eifel wohnen?
Sagen wir mal so: es gibt sehr viele Unternehmen, die die Eifel als Standort schätzen. Zwischen diesen gibt es einen gnadenlosen Wettbewerb um die besten Bewerber.

Wie überzeugen Sie denn Bewerber von außerhalb von der Eifel?
Die Eifel bietet soviel Lebensqualität. Das wollen wir einfach nach außen tragen. Und wenn man will, ist man auch ganz schnell in Köln, Koblenz oder Trier.

Und Ihr Unternehmen ist ja auch ein durchaus attraktiver Arbeitgeber.
Ohne unbescheiden wirken zu wollen, kann man das so sagen. Wir sind kerngesund, haben Kunden in der ganzen Welt und expandieren weiter. Aktuell realisieren wir einen neuen Produktionsstandort in China und einen Vertriebsstandort in Russland. Wir haben ein super Team mit flachen Hierarchien in Hillesheim und faktisch null Fluktuation.

Trotzdem sind Sie vielen Menschen in der Eifel als Arbeitgeber gar nicht so präsent.
Es ist in der Tat so, dass wir zwar schon seit fast 60 Jahren sehr erfolgreich sind, aber jeder Bäcker bekannter war als wir. Das liegt natürlich auch daran, dass unsere Kunden nicht aus der Eifel kommen. Seit einiger Zeit nehmen wir intensiv an Ausbildungsbörsen teil oder hatten über das Projekt „Campus meets Company“ einige interessierte Studenten in Hillesheim.

Sie haben jetzt soviel über Ihre internationalen Aktivitäten gesprochen. Da gibt es ja auch ein paar Herausforderungen.
In Russland zum Beispiel ist die Lage tatsächlich nicht einfach. Der Kursverfall ist dramatisch. Waren werden knapp oder unfassbar teuer. Aber die Menschen stehen nach wie vor hinter ihrem Präsidenten.

Den Kursverfall gibt es nicht nur beim Rubel. Vieles im Welthandel läuft über den Dollar. Der wird im Vergleich zum Euro immer teurer. Welche Probleme entstehen dadurch für Sie?
Wir sind davon eigentlich kaum betroffen. Da, wo wir selber vor Ort aktiv sind, arbeiten wir in der dort gültigen Währung. Alle Bestellungen, die in Hillesheim eingehen, werden in Euro abgerechnet. Es gibt sicher Kunden, die lieber in in Dollar abrechnen würden, aber da sind wir konsequent.

Können Sie sich das leisten? Sie sind ja vornehmlich in der Automobilindustrie unterwegs. Gerade da ist der Wettbewerb doch extrem.
Das ist absolut richtig. Vor allem, weil sich das Geschäft auch sehr stark verändert hat. Früher hatte man über Jahre gewachsene persönliche Beziehungen. Da wusste der Einkäufer bei General Motors genau, wer da in Hillesheim sitzt und hat im Zweifel ein günstigeres Angebot ausgeschlagen, weil ihm Qualität und Zuverlässigkeit wichtiger waren.

Und wie ist es heute?
Qualität und Zuverlässigkeit werden heute einfach vorausgesetzt. Heute kommen die meisten Anfragen über das Internet. Dann vergleicht der Kunde die Preise und der Günstigste gewinnt.

Und diesen Preiskampf machen Sie mit?
In einem gewissen Rahmen muss man sich dem Wettbewerb sicher stellen. Das heißt für uns, clever zu sein und die Produktionsprozesse so zu optimieren, dass wir im Vorteil sind. Dazu gehört sicher auch, dass wir bestimmte Produktionsprozesse in unserem Werk in Slowenien laufen lassen, weil da die Lohnkosten andere sind.

Das bedeutet, dass Sie mit dem neuen Mindestlohn auch nicht wirklich glücklich sind?
Da wir sowieso an einen Tarifvertrag gebunden sind, betrifft uns das nicht wirklich. Man hat aber grundsätzlich das Gefühl, dass da ein Gesetz mit der Brechstange durchgesetzt wurde, ohne es zu Ende zu denken. Ich habe hier aber eher die vielen Ehrenamtler im Kopf, die ihre Freizeit opfern und zum Beispiel als Trainer im Fußballverein eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen.

Apropos Freizeit. Was machen Sie denn, wenn Sie nicht in Hillesheim oder Russland und China unterwegs sind?
Ich bin passionierter Jäger mit einem eigenen Revier. Das ist zwar auch viel Arbeit, aber da kann ich vollkommen entspannen.

Es könnte sein, dass Sie demnächst Jagdkonkurrenz in Ihrem Revier bekommen. In Deutschlands Wäldern hält der Wolf wieder Einzug.
Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Wolf auch wieder bei uns heimisch wird. Die Eifel bietet einen idealen Lebensraum für den Wolf. Wenn man zu sehr in diese Lebensräume eingreift, kann es natürlich zu Konflikten kommen. Ich denke aber nicht, dass daraus irgendeine Gefahr für den Menschen entsteht.

Zurück zu Ihrer Arbeit. Was macht Ihnen da im Moment am meisten Spaß?
Wir wurden gerade für den großen Preis des Deutschen Mittelstandes nominiert. Das ist eine wirkliche Bestätigung für die Arbeit, die mein Team in Hillesheim leistet. Da können wir alle stolz drauf sein.

28.04.2015